„Ich lese jedes Jahr den Bericht meines Versorgers, aber die Kennzahlen bleiben für mich
ein Nebel aus Prozenten und Fachbegriffen“, dieser Satz beschreibt ziemlich genau die
Ausgangslage vieler Privatanleger, die sich mit regulierten Energieunternehmen
beschäftigen, dabei sind es gerade diese Kennzahlen, die zeigen, wie stabil Erlöse,
Investitionen und Verschuldung zusammenspielen, anstatt jede Größe isoliert zu
betrachten, lohnt es sich, ein kleines, gedankliches Kennzahlenrad zu bauen, in dem
Eigenkapitalquote, Verschuldung, Rendite auf das eingesetzte Kapital und
Investitionsvolumen miteinander verknüpft werden, in diesem Beitrag drehen wir dieses
Rad mehrfach und betrachten dieselben Größen aus verschiedenen Blickwinkeln, um ihre
Bedeutung im regulierten Umfeld besser zu verstehen.
Eigenkapital, Verschuldung und Regulierung
Im Zentrum vieler Analysen steht die Frage, wie solide ein Versorger oder
Netzbetreiber finanziert ist, die Eigenkapitalquote zeigt, welcher Anteil der
Bilanz aus eigenem Kapital stammt, während der Verschuldungsgrad das Verhältnis
von Fremdkapital zu Eigenkapital beschreibt, im regulierten Bereich ist häufig
eine bestimmte Kapitalstruktur vorgesehen oder angestrebt, da
Regulierungsbehörden auf dieser Basis zulässige Renditen festlegen, wichtig ist,
nicht nur einen Stichtag zu betrachten, sondern Entwicklungen über mehrere
Jahre, sinkt die Eigenkapitalquote kontinuierlich, während Investitionen
steigen, lohnt sich ein genauer Blick auf die Gründe und die Nachhaltigkeit der
Ausschüttungspolitik.
Renditen im regulierten Umfeld einordnen
Eine weitere zentrale Größe ist die Rendite auf das eingesetzte Kapital, häufig
in Verbindung mit regulierten Obergrenzen, sie zeigt, wie effizient ein
Unternehmen sein Kapital in Netze, Anlagen oder Infrastruktur einsetzt, im
regulierten Umfeld wird diese Rendite oft durch Vorgaben begrenzt, gleichzeitig
erwartet der Kapitalmarkt eine gewisse Attraktivität im Vergleich zu anderen
Anlagen, interessant ist daher, wie nah ein Unternehmen an den zulässigen
Obergrenzen agiert, ob es diese regelmäßig ausschöpft oder darunter bleibt und
wie sich das Verhältnis von erzielter Rendite zu Investitionsbedarf darstellt.
Hypothetisches Beispielunternehmen als Anschauung
Um diese abstrakten Größen greifbarer zu machen, kann ein hypothetisches
Beispielunternehmen helfen, stellen wir uns einen Netzbetreiber vor, der in den
nächsten Jahren sein Leitungsnetz deutlich ausbauen muss, dafür steigt das
Investitionsvolumen, gleichzeitig sollen Ausschüttungen an Anteilseigner nicht
abrupt gekürzt werden, im Gedankenexperiment lässt sich nun variieren, wie hoch
der Anteil der Investitionen ist, der durch laufende Cashflows gedeckt wird, und
wie stark die Verschuldung zunimmt, kleine Änderungen in den Annahmen zu
Zinsniveau, regulierter Rendite und Investitionstempo können große Unterschiede
im langfristigen Verschuldungsgrad bewirken, Results may vary.
Szenarien und Grenzen der Aussagekraft
Schließlich darf der Blick auf Risiken nicht fehlen, Zinsänderungen, Anpassungen
der Regulierungslogik oder Verzögerungen bei Investitionsprojekten können
Kennzahlen schnell verschieben, deshalb ist es hilfreich, neben einem
Basisszenario mindestens ein vorsichtigeres und ein optimistischeres Szenario zu
skizzieren, ohne ihnen exakte Wahrscheinlichkeiten zuzuordnen, Past performance
doesn't guarantee future results, die Vergangenheit kann zwar Hinweise auf
die Stabilität des Geschäftsmodells geben, sie garantiert jedoch nicht, dass
Regulierungsbehörden, Politik oder Kapitalmärkte sich in Zukunft genauso
verhalten werden.